Viola da gamba

Schloss Köthen

Die erste urkundliche Erwähnung Köthens ist auf das Jahr 1115 datiert. Und auch aus dem 12. Jahrhundert ist eine Burg mit Ringgraben, gelegen an der Südwestecke der späteren Schlossanlage, bekannt, die als Burgward unter Albrecht dem Bären als Burg der Askanier bezeugt ist.

Seit 1244 Residenz der älteren Köthener Fürstenlinie, wird das Schloss als solches zwar noch mit Burg-charakter 1396 erwähnt. Es hatte aber schon Fürst Albrecht (gest. um 1316) als Wohnsitz gedient, der sich auch „Herr von Cöthen“ nannte.

Der inneren Schlossanlage, dem Hauptschloss, ist westlich ein Wirtschaftshof mit Marstall, Reithalle (zwischen 1941 und 2005 Ruine) und Remisengebäude vorgelagert, der anstelle des ursprünglichen Gutshofes angelegt wurde. Der innere Schlosskomplex, das Hauptschloss, entstand 1597 – 1640 unter Leitung der Brüder Franz und Peter Niuron aus Lugano, nachdem der größte Teil der Burg im Jahre 1547 abgebrannt war. Das innere Schloss ist eine dreiflügelige nach Osten hin offene Gebäudeanlage, bestehend aus dem im Süden stehenden Ludwigsbau (1600 – 1604), im Südwesten der Johann-Georgs-Bau (1597- 1599), im Westen das Torhaus, das 1670 zu dem heutigen, kompakten Bau erweitert wurde.    

Marstall mit Toreinfahrt zum Wirtschaftshof

Daran schlossen sich die alten Renaissancebauten an. Nördlich vom Torbau das „Alte Amtshaus“, welches 1944 einer Bombe zum Opfer fiel, und daran in östlicher Richtung sich anschließend das Steinerne Haus. Der Ferdinandsbau, 1823 vom anhaltischen Baumeister Chr. Gottfried Heinrich Bandhauer errichtet, bildet nach Osten hin den Abschluss des Nordflügels.


Ferdinandsbau, Gartenseite

links: Ludwigsbau Schlosshofseite, über dem verglasten

„Steinernen Gang” die Fenster des Spiegelsaales

 

Das Residenzschloss durchlebte nach Aussterben der Köthener Fürstenlinie eine wechselvolle Geschichte in der Nutzung. Das Köthener Schloss fiel dem Fürsten von Anhalt-Dessau zu, der alles Mobiliar und Ausstattungen an sich nahm und es als Verwaltungssitz umgestaltete. So wurden Landesämter nach Köthen verlegt, das Amtsgericht errichtet und im Ludwigsbau 1878 ein Gymnasium eingerichtet. 

Im gleichen Jahr wurde das Erscheinungsbild des Schlosses brutal getrübt, indem in der geöffneten Ostseite ein massiger unförmiger Zweckbau errichtet wurde, der als Gefängnis diente.
In harten Verhandlungen in den Jahren 1989 bis 1991 gelang es den Köthenern, dem Land Sachsen-Anhalt die Genehmigung zum Abriss abzuringen. Im Dezember 1991 war der Koloss verschwunden. Im Steinernen Haus befinden sich jetzt das Stadtarchiv Köthen und die Magazinräume der Museen, der Ferdinandsbau beherbergt seit 1835 das ornithologiegeschichtliche Memorialmuseum von Johann Friedrich Naumann und seit 2002 die Ausstellung der Prähistorischen Sammlung des Köthener Landes. Der Johann-Georgs-Bau beheimatete in der Zeit von 1984 bis 2010 die Musikschule „Johann Sebastian Bach“. Diese jezt leeren Räume sind vorgesehen für die Erweiterung des Historischen Museums für Mittelanhalt, welches sich mit dem Spiegelsaal und der Schlosskapelle im Ludwigsbau befindet.  

Schlosskapelle

Bis etwa 1870 wurde die Schlosskapelle für den Gottesdienst genutzt. Der im Barockstil ausgestattete Raum diente dann mit der Einrichtung desLudwig-Gymnasiums als Turn- und Singesaal. Dazu nahm man die wertvolle Einrichtung heraus und füllte die Kapelle bis zur Höhe des Schlosshofes mit dem Aushub des errichteten Gefängnisses auf. In den Jahren 1961 bis 1963 wurde diese Auffüllung entfernt und die ursprüngliche Raumgestaltung wieder zurück gewonnen. Der vergleichsweise ursprüngliche Zustand als Emporenkirche wurde dann in den Jahren 1989 bis 1991 hergestellt. Eine Emporenbrüstung mit vier Pfeilern – eine Arbeit von Hoppenhaupt von 1725 aus der Dorfkirche Oberbeuna (Geiseltal), die wegen der Braunkohle 1974 aufgegeben werden musste – wurde neu aufgebaut und als Krönung des zurückgewonnenen Raumes fand eine Orgel von Johann Christoph Zuberbier, gebaut um 1735 für die Kirche in Thurau bei Köthen und 1986 bis 1989 in Disposition und Klang originalgetreu wieder hergestellt, in der Schlosskapelle Aufstellung.   
Den Mittelteil im Obergeschoss des Ludwigsbaus nimmt der 1822 von Bandhauer umgebaute und eingerichtete ehemalige Thronsaal (Spiegelsaal) ein. Hier entstand trotz schwieriger Raumverhältnisse ein Fest-saal von großartiger Harmonie. Bandhauer entwarf ein flaches Korbbogengewölbe mit Kassetten, das als Scheingewölbe in den alten Dachstuhl eingehängt wurde. Durch das Eindringen ins Dachgeschoss konnte eine größere Raumhöhe erreicht werden. Dabei verwendete Bandhauer die vorhandenen Giebelaufbauten geschickt als Oberlichter einer raumzentrierenden Quertonne, die an dieser Stelle die Längstonne des Gewölbes durchdringt. Damit entstand durch die springende Wandgestaltung, den Spiegeln und der effektvollen Ausleuchtung eine gelungene Konzentrierung auf die optisch erweiterte Raummitte.

Spiegelsaal

Umgebaute Reithalle -
Blick auf den Johann-Sebastian-Bach-Saal

Durch die äußerst umfangreiche Nutzung des Spiegelsaales ist er stark in Mitleidenschaft gezogen worden, so dass eine Generalsanierung bevorsteht. Um diese Sanierung, die im September 2011 begann und auf bis zu 6 Jahre veranschlagt wird, durchführen zu können, war die Schaffung einer Ersatzspielstätte in der Bachstadt Köthen erforderlich.

Dafür bot die Reithallenruine im äußeren Schloss eine gute Grundlage. Nach einem europaweit, zur Ausschreibung gebrachten Architektenwettbewerb, der durch das Architektenbüro Busmann und Haberer, Köln, Standort Berlin, gewonnen wurde, begann am 25. September 2005 der Um- und Ausbau der Ruine der Reithalle mit den südlichen und nördlichen Zwischenbauten und der Remise. Es entstand ein modernes und anspruchsvolles Veranstaltungsensemble mit multifunktionalem Charakter.

Durch die äußerst umfangreiche Nutzung des Spiegelsaales ist er stark in Mitleidenschaft gezogen worden, so dass eine Generalsanierung bevorsteht. Um diese Sanierung, die im September 2011 begann und auf bis zu 6 Jahre veranschlagt wird, durchführen zu können, war die Schaffung einer Ersatzspielstätte in der Bachstadt Köthen erforderlich.

Dafür bot die Reithallenruine im äußeren Schloss eine gute Grundlage. Nach einem europaweit, zur Ausschreibung gebrachten Architektenwettbewerb, der durch das Architektenbüro Busmann und Haberer, Köln, Standort Berlin, gewonnen wurde, begann am 25. September 2005 der Um- und Ausbau der Ruine der Reithalle mit den südlichen und nördlichen Zwischenbauten und der Remise. Es entstand ein modernes und anspruchsvolles Veranstaltungsensemble mit multifunktionalem Charakter.

Mit dem „Johann-Sebastian-Bach-Saal“ (450 Plätze), dem „Anna-Magdalena-Bach-Saal“ (160), dem „Maria-Barbara-Bach-Saal“ (60) und dem „Wilhelm-Friedemann-Bach-Saal“ (120), dem gemütlichen Café „Leopold“ und kommunikativen Foyerbereichen verfügt dieses Zentrum über variantenreiche Möglichkeiten für verschiedenartige Veranstaltungen. Am 29.März 2008 konnte dann das Veranstaltungs-Zentrum im Schloss Köthen feierlich in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts, Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, übergeben werden.
Im Jahre 2009 wurde durch die Bundesregierung zur Ankurbelung der Wirtschaft während der Wirtschafts- und Finanzkrise das sogenannte Konjunkturpaket II beschlossen. Daran konnte auch der Landkreis Anhalt-Bitterfeld partizipieren, um im Jahre 2010 u.a. das Obergeschoss und Teile des Parterres des Marstalls zur neuen Musikschule „Johann Sebastian Bach“ auszubauen. Zum Schulhalbjahr 2011 konnten dann die Musikschüler und ihre Lehrer diese neu gestaltete Kultur- und Bildungseinrichtung in Besitz nehmen.

E.-B. Elze  

Literaturhinweise:
1. Dauer, Horst: Schloss Köthen, Leipzig 1989
2. Nestler, Dr. Erhard: Stadt Köthen (Anhalt), Fellbach o. D.